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1. Erfüllung des StiftungszwecksDer Zweck der Stiftung ist die Förderung der Völkerverständigung und des Friedens durch Vertiefung und Ausweitung von gutnachbarlichen Beziehungen und Kontakten zwischen Menschen aus Deutschland und jenen in den neuen unabhängigen Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Ihm wurde im Berichtszeitraum mit der Förderung, Mitgestaltung und Durchführung von Begegnungsprojekten Rechnung getragen. Im Mittelpunkt standen die direkten Kontakte zwischen Menschen aus Deutschland und aus Belarus, der Russischen Föderation, der Ukraine, aus Litauen, Lettland, Estland, Armenien, Georgien, Republik Moldau, Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan. 2. Fördertätigkeit und Projektgestaltung
Die Stiftung West-Östliche Begegnungen unterstützte im Jahr 2008 bilaterale Begegnungen und Zusammenarbeit von Schulen, Jugendgruppen, gemeinnützigen Vereinen und Nichtregierungsorganisationen (NRO), aber auch von ehrenamtlichen Kulturgruppen und kommunalen Institutionen. Dies erfolgte vorzugsweise über konkrete Projekte mit einer klaren inhaltlichen Ausrichtung, die gemeinsam im In- oder Ausland in einem begrenzten Zeitraum ergebnisorientiert durchgeführt wurden. Dabei kamen Gegenseitigkeit der Programme und Gleichrangigkeit in der Trägerschaft als leitende Prinzipien zum Tragen. Auch trilaterale Begegnungen wurden gefördert. Insgesamt bewilligte die Stiftung fast
40 % ihrer Fördermittel für Schüler- und Jugendbegegnungen und gut 45 % für Begegnungen der erwachsenen Bürger. Gerade durch die Vielzahl an kleineren Projekten, die die Stiftung förderte, wurde sie unverändert ihrer bürgernahen Intention gerecht.
2008 griff die Stiftung die schon seit längerem existierende Idee der Durchführung einer deutsch-ukrainischen Städtepartnerschaftskonferenz auf und veranstaltete sie gemeinsam mit dem Deutsch-Ukrainischen Forum, der Stadt Odessa sowie dem Ukrainisch-Deutschen Forum vom 9. – 12. Oktober des Jahres in Odessa. Mehr als 200 Teilnehmer aus ukrainischen und deutschen Kommunen sowie von Bürgervereinen, Wohltätigkeitsfonds (Stiftungen), wissenschaftlichen Institutionen und aus der Politik beider Länder, vom Europarat und der Europäischen Kommission waren der Einladung gefolgt. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine, S.E. Dr. Hans Jürgen Heimsoeth, würdigte zum Auftakt der Konferenz die Städtepartnerschaften als wichtigen Bestandteil der Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine und sprach sich sehr positiv und mit Nachdruck für die Durchführung dieser und künftiger Städtepartnerschaftskonferenzen aus.
Das ukrainische Fernsehen und die Presse berichteten über die Konferenz. Der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Herr Kinach, der auch Vorsitzender des Ukrainisch-Deutschen Forums ist, hat in einem offiziellen Schreiben der Stiftung für die Initiative zur Durchführung der Konferenz und für die finanzielle Unterstützung gedankt und erklärt, dass das Ukrainisch-Deutsche Forum für künftige deutsch-ukrainische Städtepartnerschaftskonferenzen die Rolle des Koordinators auf ukrainischer Seite übernehmen würde.
Im Ergebnis des „Kontaktseminars für neue deutsch-belarussische und deutsch-ukrainische Schulpartnerschaften“, das der Pädagogische Austauschdienst gemeinsam mit der Stiftung in Berlin im November 2008 veranstaltete, entstanden 11 neue Schulpartnerschaften.
In Kooperation mit dem Geyserhaus Leipzig e. V. führte die Stiftung in Leipzig ihr zweites Dialogtreffen mit Bürgerinitiativen und Organisationen zur weiteren Qualifizierung von Partnerschafts- und Projektarbeit im sozialen und humanitären Bereich durch. Der Titel lautete „Tschernobyl-Kinder – jetzt Tschernobyl-Erwachsene? Effizienz und Nachhaltigkeit von west-östlichen Begegnungen im humanitären und sozialen Bereich“. Insbesondere wurde die belarussische Sicht auf den Stellenwert humanitärer Hilfsprojekte und sozialer Zusammenarbeit von deutschen Bürgerinitiativen mit Belarus thematisiert und deren Nachhaltigkeit unter den Fragestellungen „Was passiert nach der humanitären Hilfe und den Erholungsaufenthalten in Deutschland? Und was ist aus den Projekten geworden?“ diskutiert.
Die Stiftung war auch Förderin und Mitveranstalterin des „14. Europäischen Kurzfilmfestivals unabhängiger Autoren und 4. BerlinerFilmFensters – grenzenlos“, das ars cinema berlin e.V. im Berliner Kulturzentrum WABE durchführte. Das Festival lenkt mit seinen Beiträgen aus Mittel- und Osteuropa die Aufmerksamkeit auf Filme unabhängiger Autoren, schafft dem nichtkommerziellen Film der mittel- und osteuropäischen Länder ein Forum, eine Möglichkeit des internationalen Vergleichs, eine Stätte der Begegnung und des Lernens. 3. Öffentlichkeitsarbeit und ProjektanbahnungEine von Herrn Prof. Schützler geleitete Arbeitsgruppe erarbeitete einen „Historischen Abriss der Gründungsgeschichte der Stiftung WÖB 1990 – 1994“. Das Material ist die Grundlage für die anlässlich des 15. Jubiläums der Stiftung im Jahr 2009 dazu geplante Publikation, mit der die Gründungsgeschichte der Stiftung der Öffentlichkeit übergeben werden soll.
Am 6. März, dem Vorabend des 14. Europäischen Kurzfilmfestivals unabhängiger Autoren lud die Stiftung Freunde und Geschäftspartner der Stiftung und die Sponsoren des Festivals zu einer west-östlichen Begegnung mit jungen Filmemachern aus den Partnerländern der Stiftung ein.
Ebenfalls im März besuchte der PR-Direktor des World Public Forums „Dialogue of Civilizations“ aus Moskau, begleitet von Botschaftsrat Pjatin von der Botschaft der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, die Stiftung. Das Forum geht auf eine Initiative von Vertretern der Zivilgesellschaft aus drei Ländern - Russland, Indien und Griechenland – zurück, die im Jahre 2002 ein internationales Programm "Dialog der Kulturen" initiierten. Seit 2003 wird alljährlich im Herbst eine Tagung des Forums durchgeführt, auf dem neue Formen der Zusammenarbeit, der Interaktion, der Konfliktverhinderung und der Sicherung von stabilen Entwicklungen weltweit beraten werden. Der Vertreter des Forums zeigte sich sehr interessiert an der interkulturellen Bildungs- und Begegnungsarbeit, die die Stiftung zwischen Deutschland und den Ländern der GUS, insbesondere durch die Förderung von Schüler- und Jugendbegegnungen, ermöglicht. Die gemeinsame Durchführung und Finanzierung von Begegnungsprojekten wäre vorstellbar. Die Kontakte mit dem Forum sollen fortgesetzt werden. 4. Zusammenarbeit mit anderen Stiftungen und FörderernNeue Kooperationspartner bei Sonderprojekten der Stiftung waren im Jahre 2008 die Friedrich Ebert Stiftung, die Konrad Adenauer Stiftung, das Deutsch-Russische Forum, das Goethe-Institut, die Mawritzki-Stiftung, das Deutsch-Ukrainische Forum, das Ukrainisch-Deutsche Forum, der Pädagogische Austauschdienst, die Katholische Universität Eichstätt / Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropa-Kunde, die Stadt Regensburg und die Stadt Odessa. Aus dieser Zusammenarbeit ergaben sich inhaltliche und finanzielle Synergien, die zu einer konzeptionellen Bereicherung der Projekte und zu einer gemeinsamen Finanzierung führten.
Eine Vernetzung und Zusammenarbeit mit Akteuren weiterer Stiftungen und Geldgebern der Ost-West-Zusammenarbeit gelang der Stiftung durch die Teilnahme am Deutschen Stiftungstag im Juni 2008 in München sowie mit der Beteiligung an der Arbeit des Lenkungsausschusses und der Tagung des Petersburger Dialogs im September 2008 in St. Petersburg.
5. Stiftungsvermögen, Erträge und Bewilligungen
Der Vorstand befasste sich regelmäßig mit der Bewertung und der Zinsentwicklung der
Depot- und Geldanlagen und mit Wiederanlagemöglichkeiten für Stiftungskapital. Eine Herausforderung waren neben den historisch niedrigen Renditen der Wert erhaltenden sicheren Anlagen der anhaltende Zinsausfall bei vier Kapitalanlagen sowie die zu realisierenden Währungskursverluste nach Endfälligkeit von Wertpapieren möglichst gering zu halten. Der Situation begegnete der Vorstand auch mit der Gewinnung von Kofinanzierungspartnern für Projekte zur Erweiterung der eigenen Fördermittel und mit sparsamer Haushaltssführung.
Die Jahresrechnung 2008 weist laufende Einnahmen von 671 T€ und laufende Ausgaben von 375 T€ aus. Der Einnahmeüberschuss von 296.000 Euro wurde mit Blick auf die rechnerische Deckungslücke und die Stillen Lasten in voller Höhe in die Kapitalerhaltungsrücklage eingestellt.
2008 kamen 211.352 Euro für die Erfüllung des Stiftungszwecks, Projektanbahnung und Öffentlichkeitsarbeit zur Auszahlung. Die übrigen Ausgaben sind Ausgaben für Personal und soziale Aufwendungen, Stiftungsorgane, Mieten, Betriebskosten, Wirtschaftsprüfer, Beratungskosten und Depotgebühren. Insgesamt hat die Stiftung seit ihrer Errichtung bis zum Jahr 2008 rund 3.800 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtfördervolumen von rund 8,8 Mio. Euro unterstützt.
Förderung nach den Programmlinien der Stiftung |