logo2.gif (3769 bytes)

 

 

 

 



Jahresbericht 2009
der Stiftung West-Östliche Begegnungen

 

 15 Jahre Stiftung

*)

„Begegnen und Verstehen – Austausch erwünscht“ – seit 15 Jahren fördert die Stiftung West-Östliche Begegnungen vielfältige Begegnungen zwischen Menschen aus Deutschland und den Partnerländern der Stiftung Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, der Republik Moldau, der Russischen Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, der Ukraine und Usbekistan. Mit insgesamt rund 9 Millionen Euro hat sie mehr als 4.000 Projekte von meist kleinen zivilgesellschaftlichen Initiativen und Nichtregierungsorganisationen, Bürger- und Jugendgruppen, Schulen, Städten und Gemeinden mit den o. g. Ländern gefördert.

Am 29. Oktober 2009 feierte die Stiftung ihren 15. Geburtstag mit Partnern und Freunden, Botschaftsvertretern und Gästen aus ihren Partnerländern, geförderten Initiativen sowie mit den Mitgliedern des Internationalen Clubs im Auswärtigen Amt in dessen Räumlichkeiten über den Dächern Berlins.

Der 29. Oktober begann mit einem Frühstücksempfang am Sitz der Stiftung im Haus Deutscher Stiftungen mit Mitgliedern der Stiftungsgremien, des Internationalen Clubs im Auswärtigen Amt, geförderten Initiativen und Projektorganisatoren. Frau von Halem und Herr Dr. Domke begrüßten die Gäste.
 

Danach ging es mit den Festgästen unter der pädagogischen Führung von Kuratoriumsmitglied Herrn Tangermann zum Reichstag, zum Brandenburger Tor und mit einer Schiffstour durch die historische Mitte Berlins zum Auswärtigen Amt. Dort hatte der Internationale Club mit Frau Bliedung eine exzellente Führung durch das Haus organisiert.

Die Festveranstaltung zum 15. Stiftungsjubiläum wurde von Herrn Dr. Domke, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung eröffnet. Die Vertreter der Ukrainischen, Tadschikischen und Belarussischen Botschaften verlasen Grußbotschaften.
 

Herr Schlagheck begrüsst
die Gäste
in den Räumlichkeiten
des Internationalen Clubs

Herr Dr. Domke eröffnet
die Festveranstaltung

Herr Grund, Mitglied des Deutschen Bundestages,
gratuliert der Stiftung zum Jubiläum mit
seiner Festrede zum Thema
„Partnerschaft und Dialog mit der Zivilgesellschaft
im Osten Europas und in Zentralasien“

Im Internationalen Club im Auswärtigen Amt


Anlässlich des Jubiläums der Stiftung wurde der
Förderpreis 2009 „Partnerschaft und nachhaltiges Bürgerengagement in der west-östlichen Zusammenarbeit“, den der Internationale Club im Auswärtigen Amt e. V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung ausgeschrieben hatte verliehen. Von den eingegangen 31 Bewerbungen waren zehn in die engere Wahl gekommen, von denen die Jury unter Leitung von Bundesminister a. D. Herr Dr. Stolpe die beiden Preisträger ausgewählt hatte.



Die Jury: Herr Dr. Domke, Frau Bliedung,
 Herr Dr. Stolpe, Frau von Halem, Herr Tangermann


Der 1. Preis in Höhe von 7.000 EURO wurde in Würdigung und Anerkennung des außergewöhnlichen Engagements für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kriegsveteranen, NS-Opfern und Waisen in Jekaterinburg und Tscheljabinsk, für eine dauerhafte Versöhnung zwischen Deutschen und Russen, für „eine Welt ohne Kriege“, sowie für beispielhafte Wege von der humanitären Hilfe zu partnerschaftlichem Handeln der Völker an die Gesellschaft zur Hilfe für Kriegsveteranen in Russland e. V., Dresden verliehen.

 

Der 2. Preis in Höhe von 3.000 EURO ging an MOVIEMIENTO e. V., Berlin, für das Projekt 2008 „Moving Baltic Sea“. Er würdigt die außergewöhnliche zivilgesellschaftliche Initiative, gemeinsam mit 13 Partnerorganisationen aus 5 Anrainerstaaten der Ostsee mit einer multinationalen Schiffs- und Begegnungstour entlang der Ostseeküste für den Umweltschutz im Ostseeraum einzutreten.


Glückwünsche und Dank auch den 10 besten
Bewerbungen
  um den Förderpreis

Ehrenurkunde für Brigida Melzer,
Lübbener Kinderhilfsverein für Tschernobyl e.V.

 


Im Anschluss wurde gefeiert auf dem
West-Östlichen Empfang“
mit der jAAzz-Band des Auswärtigen Amts.


Anlässlich ihres 15. Jubiläums gab die Stiftung die Publikation „Die Stiftung West-Östliche Begegnungen – ein kurzer Abriss ihrer Gründungsgeschichte“ heraus. Sie wurde auf Anregung des langjährigen Vorsitzenden des Kuratoriums  Professor Dr. Harry Wünsche von Professor Dr. Horst Schützler in Zusammenarbeit mit zahlreichen Zeitzeugen und nach intensiver Recherche in entsprechenden Bundesarchiven aufgearbeitet und schriftlich verfasst.
 


Arbeitsgruppe zur Stiftungsgeschichte im
Jahr 2007 mit Herrn Prof. Dr. Wünsche
und Herrn Prof. Dr. Schützler

Die Stiftung erinnert damit im 20. Jahr des Falls der Mauer an die bewegende Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche und Transformationsprozesse, die Anfang der neunziger Jahre ihre einmalige Gründungsgeschichte im turbulenten Spannungsfeld zwischen Schwinden und Beginn, zwischen Altem und Neuem prägten. 

1.    Fördertätigkeit und Projektgestaltung 2009

Im Jahr 2009 wurden 116 Begegnungsprojekte mit Armenien, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, der Republik Moldau, der Russischen Föderation, Tadschikistan und der Ukraine von der Stiftung gefördert, mitgestaltet oder durchgeführt. Schüler, Jugendliche, Bürgergruppen und –initiativen aus ganz Deutschland konnten so zu ihren Partnern in Osteuropa und Zentralasien – oder diese nach Deutschland - reisen, andere Kulturen und Gesellschaften erleben, über alte und neue Grenzen hinweg Kontakte knüpfen oder pflegen, Fremdsprachen damit lebendig werden lassen und die Perspektive wechseln. Das Interesse quer durch die Gesellschaft ist groß, die europäische Vielfalt zu erfahren, die bisher noch nicht so bekannten östlichen Länder einfach einmal „aus der Nähe“ kennen zu lernen. Wie leben unsere Nachbarn, deren Gesellschaften zum einen sehr der unsrigen ähneln und mit ihr viele geschichtliche Gemeinsamkeiten haben, zum anderen jedoch oftmals „mit dem Verstand nicht zu verstehen sind“?

Von den bewilligten 116 Projekten hatten 61,21 % Russland und Belarus als Partnerländer oder als Thema. Mit 40,52 % war die Russische Föderation das Land mit den meisten geförderten Vorhaben. In Deutschland kam 2009 die größte Zahl der Bewilligungsempfänger aus den Bundesländern Berlin, NRW und Sachsen. 34,48 % der Anträge wurden für Fördersuchende aus den neuen Bundesländern, 21,55 % aus Berlin und 43,97% für Träger aus den alten Bundesländern bewilligt.

Im Berichtszeitraum verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr die Zahl der unterstützten Erstbegegnungen bzw. der neuen Bewilligungsempfänger. So wurden fast alle Anträge von Schulen berücksichtigt, die am Schulpartnerschaftskontaktseminar teilgenommen hatten, das vom Pädagogischen Austauschdienst 2008 gemeinsam mit der Stiftung durchgeführt worden war.

So reisten z. B. Mitglieder des Gehörlosenvereins Ludwigslust e. V. mit einer finanziellen Förderung aus der Programmlinie I zum ersten Mal nach Kasan, um die Tatarische Abteilung der Gesamtrussischen Gehörlosengesellschaft kennen zu lernen (P 47/09). Der AFS Interkulturelle Begegnungen e.V., Hamburg, führte einen ersten Austausch der im langfristigen Gastschüleraustausch mit Russland engagierten Ehrenamtlichen aus Deutschland und Russland in Hamburg und Nishni Nowgorod durch (P 4/09). Fördermittel aus der Programmlinie II ermöglichten, dass sich Schüler des Da-Vinci-Campus Nauen und der Mittelschule Nr. 89 aus Duschanbe in Nauen treffen konnten, um die Gründung einer deutsch-tadschikischen Schülerfirma zu vollziehen. Die Gesellschaft der Moldauer in Deutschland e. V., Berlin, initiierte die Begegnung des Akkordeonensembles der Berliner Joseph Schmidt Musikschule mit moldauischen Schülern des Musikgymnasiums in Chisinau, in deren Rahmen die Schüler ein Konzert gemeinsam einstudierten und aufführten, am Schulunterricht teilnahmen und in Familien untergebracht waren (P 62/09). Der Verein Eine Welt e. V., Leipzig reiste ebenfalls im Rahmen der Programmlinie II mit 20 deutschen Jugendlichen nach Samara, um dort gemeinsam mit dem russischen Partnerverein in zwei sozialen Bauprojekten zur Unterstützung marginalisierter Gruppen zu arbeiten (107/09). Mit Unterstützung des Vereins „Tschernobyl 1986 – Kinder in Not e. V.“, Erfurt, konnten durch eine Förderung aus der Programmlinie III zwei Vertreter der 4. Staatlichen Sonderschule, Gomel, nach Erfurt kommen, um mit der Emil-Petri-Schule in Arnstadt einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen (P 121/09). 

Dialog und Partnerschaft – Kriterien für die Förderung

Für die Bewilligung von Fördermitteln waren Initiierung und Anschub partnerschaftlicher Beziehungen zwischen Institutionen zweier Länder, bestehende Partnerschaften, Gegenseitigkeit der Begegnungen, ergebnisorientiertes gemeinsames Arbeiten sowie die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit entscheidende Bewilligungskriterien.

Schul- und Städtepartnerschaften bilden stabile Rahmen für eine langfristige Zusammenarbeit und waren deshalb auch 2009 Schwerpunkte der Förderung. Mit 26 Bewilligungen konnten schulpartnerschaftliche Begegnungen und mit rund 25 Förderentscheidungen städtepartnerschaftliche Beziehungen unterstützt werden. So trug z. B. die Förderung der III. Internationalen Suhler Städtepartnerschaftskonferenz (P 126/09), der ersten Reise der Stadt Bogen nach Sortavala in Karelien (P 50/09) oder des ersten Gegenbesuchs von Partnern aus Tscherkassk bei der West-Ost-Freundschaftsgesellschaft im Saarland (P 49/09) dazu bei, Partnerschaften zwischen Städten anzubahnen und diese im Fall des Projektes in Suhl auch in die Beziehungen zu weiteren ausländischen Partnerstädten der deutschen Stadt einzubinden.

Höhepunkte des Engagements der Stiftung im Bereich kommunaler Partnerschaft waren die Beteiligung an der Organisation und Mitgestaltung der X. Deutsch-Russischen Städtepartnerschaftskonferenz im Juni 2009 in Wolgograd, der VII. Deutsch-Belarussischen Städtepartnerschaftskonferenz im Oktober 2009 in Mogiljow sowie des deutsch-russischen Seminars „Zivilgesellschaft – Freiheit – Verantwortung“ im März 2009 in Kaluga. Durch eine anteilige Finanzierung der Fahrt- und Unterkunftskosten ermöglichte die Stiftung den Vertretern nichtstaatlicher Institutionen eine gleichrangige und gleichberechtigte Teilnahme an den Konferenzen.


Abschlusspodium der Städtepartnerschafts-
konferenz in Wolgograd

Mogilev                       

               Begrüßung an der Gedenkstätte
             „Buinitzkoje Polje“

  Stilles Gedenken          

Arbeitsgruppe Bildung

      Die Stiftung pflanzt einen Baum

Die Partnerschaftsbeziehungen und Vernetzung zwischen deutschen, belarussischen und ukrainischen nichtstaatlichen Organisationen förderte die Stiftung mit der finanziellen Unterstützung der Partnerschaftskonferenz 2009 des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks Dortmund in Geseke. 

2.   Zusammenarbeit mit Partnern

Neue Kooperationspartner der Stiftung waren 2009 der Internationale Club des Auswärtigen Amtes e. V., die Belarussische Gesellschaft für Freundschaft mit dem Ausland, Minsk, die DEFA-Stiftung, Berlin, sowie die Universität Eichstätt. Zum ersten Mal kooperierte die Stiftung mit dem „Grantmakers East Forum“, dessen Jahreskonferenz 2009 in Zusammenhang mit dem 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer in Berlin stattfand. Dieses Stifterforum Ost des Europäischen Stiftungszentrums in Brüssel vereint Stiftungen, die in Mittel- und Osteuropa und in den Ländern auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR aktiv sind. Die Stiftung West-Östliche Begegnungen nahm als eine der wenigen deutschen Stiftungen daran teil und als einzige, die in 15 der 30 Mitgliedsländer des Stifter-Forums tätig ist. Sie leitete eine Arbeitsgruppe zum Thema „Partnerschaftliche Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit in den Beziehungen und Begegnungen zwischen Ost und West“ und leistete als Vertreterin des Gastgeberlands auch einen finanziellen Beitrag zu den Programmkosten.

         

Herr Schickhaus, stellv. Vorsitzender des Vorstands,
moderiert den Workshop der Stiftung

Weitere Vernetzung mit anderen Stiftungen und Akteuren der Ost-West-Zusammenarbeit erfolgte auf dem „Tag Deutscher Stiftungen“ im Mai 2009 in Hannover sowie durch die Teilnahme am Petersburger Dialog im Juli 2009 in München.

Auf dem Weg zur X. Deutsch-Russischen Städepartnerschaftskonferenz in Wolgograd führten der Vorsitzende des Vorstands und die Geschäftsführerin Arbeitsbesuche bei der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem „World Public Forum“ (WPF) in Moskau durch. Die Geschäftsführerin nahm im Oktober 2009 auf Einladung des WPF an der Jahrestagung in Rhodos teil, zu der über 500 Persönlichkeiten von allen Kontinenten angereist waren. Sie vertraten gesellschaftliche Institutionen, Hochschulen, die großen Religionsgemeinschaften oder nahmen als Experten von Rang und Namen teil. Für das WPF ist der Dialog zur gegenseitigen Anerkennung der kulturellen Traditionen und nationalen Besonderheiten als Politikmodell der wirksamste Weg zur Lösung von Konflikten und für das Handeln zwischen den Gesellschaften. Wichtige Themen des Forums waren daher der Dialog der Zivilisationen, die Rolle nichtstaatlicher Akteure bei der Politikgestaltung und die Auswirkungen der nationalen kulturellen Unterschiede auf den politischen Dialog zwischen Ost und West. Dies ist eine Brücke zur Arbeit der Stiftung West-Östliche Begegnungen und ein wichtiger Impuls für die Fördertätigkeit auf der Grundlage von Dialog und Partnerschaft.

World Public Forum „Dialogue of Civilizations“, 8. – 12. Oktober 2009, Rhodos

3.   Stiftungsvermögen, Erträge und Bewilligungen

Der Vorstand befasste sich regelmäßig mit der Bewertung und der Zinsentwicklung der Depot- und Geldanlagen und mit Wiederanlagemöglichkeiten für Stiftungskapital. Der Finanzausschuss führte dazu verschiedene Treffen mit Geldinstituten durch. Eine Herausforderung waren auch 2009 die Entscheidungen zur Neuanlage frei gewordener, bisher gut verzinster Stiftungsmittel in Zeiten der Wirtschaftskrise sowie die Aufgabe, die Realisierung von Kursverlusten nach Endfälligkeit von Wertpapieren möglichst gering zu halten. Hierbei waren zahlreiche Beratungen mit den Banken und weitsichtige Entscheidungen zum Zeitpunkt von Vermögensumschichtungen erforderlich.

Der nicht einfachen finanziellen Situation im Berichtszeitraum begegnete der Vorstand mit der Gewinnung von Kofinanzierungspartnern für Projekte und mit sparsamer Haushaltsführung, um auch einem angemessenen Verhältnis zwischen den für satzungsmäßige Leistungen eingesetzten Mitteln und den gesamten Ausgaben für die laufende Tätigkeit gerecht zu werden. Insbesondere gehörten d ie Einstellung einer Rücklage zur Erhaltung des Stiftungskapitals für das Jahr 2009 aus Mitteln des Einnahmeüberschusses und die Entscheidung, einen Teil der Einnahmen aus einer Investition thesaurieren zu lassen, zu den Bemühungen, finanzielle Verluste und das Anwachsen der Inflationsrate zu kompensieren.

Ferner beriet der Vorstand die Aktualisierung der Grundsätze der Anlagestrategie. Denn sie muss trotz fallender Zinssätze die Einnahmen der Stiftung sichern und soll auf einer konservativen Anlagepolitik, kostengünstigen Verfahrensweisen und einer Streuung der Kapitalanlagen auf 3 – 5 Banken basieren. Die Frage der Aufnahme von ethisch-sozialen Kriterien in die Grundsätze fand noch keine abschließende Klärung und blieb damit als Auftrag für weitere Überlegungen.

In der Jahresrechnung 2009 wird das Kapital der Stiftung einschließlich Mittelvortrag zum 31. Dezember mit rund 16.135 T€ ausgewiesen. Es ist im Wesentlichen in langfristig verzinsten Anleihen, Wertpapieren und in liquiden Mittel angelegt. Noch nicht zur Neuanlage gebrachte Mittel und vereinnahmte Zinserträge wurden 2009 vorübergehend als Festgelder gehalten. Im Wertpapier- und Fondsbestand zum Stichtag 31.12.2009 sind insgesamt stille Lasten von 191 T€ enthalten. Sie sind stichtagsbezogene stille Lasten aus der Gegenüberstellung des Vermögensansatzes mit dem stichtagsbezogenen Kurswert.

Die Jahresrechnung 2009 weist laufende Einnahmen von 659 T€ und laufende Ausgaben von 409 T€ aus. Der Einnahmeüberschuss von 250 T€ wurde mit Blick auf die rechnerische Deckungslücke und die stillen Lasten in voller Höhe in die Kapitalerhaltungsrücklage eingestellt.

Die inflationsbedingte Entwertung des Stiftungskapitals konnte im Berichtsjahr nicht in vollem Umfang verhindert werden. Durch die jährliche Steigerung des Preisindex für die Lebenshaltung wäre eine Rücklage für Substanzerhaltung von 3.232 T€ notwendig. Unter Einbeziehung der Kapitalerhaltungsrücklage, der negativen Ergebnisse aus Vermögensumschichtungen, der thesaurierenden Zinsen, der stillen Lasten und bei rechnerischer Berücksichtigung des Mittelvortrags verbleibt eine rechnerische Deckungslücke von 1.424 T€. Dies ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem die Deckungslücke noch 2.556 T€ betrug.

Im Berichtsjahr 2009 wurden 176 Anträge in das Bewilligungsverfahren zugelassen. Für 116 Maßnahmen konnten Fördermittel in Höhe von rund 290 T€ bewilligt werden.

Für die Ablehnung von   Anträgen gab es u. a. folgende inhaltliche und formelle Gründe:
 

-

eine Finanzierung durch angemessene Eigenbeteiligung oder durch öffentliche oder andere private Geldgeber ausreichend möglich war

-

das Vorhaben nicht der gewählten Programmlinie der Stiftung zuordenbar war

-

die Konzeption der Maßnahme unzureichend war

 

keine Projektkonzeption erkennbar oder diese unzureichend war und Nachfragen der Stiftung unbeantwortet blieben

-

das beantragte Projekt bereits wiederholt gefördert worden war

-

die Art der geplanten Maßnahme von der Förderung ausgeschlossen ist, wie z. B. multinationale Veranstaltungen, einseitige Seminare der politischen Bildung, einseitige Exkursionen ohne Partner, Konzertreisen, karitative Erholungsmaßnahmen

-

die Gegenseitigkeit der Beziehungen und/oder die Voraussetzungen für eine adequate Begegnung gleichrangiger Partner nicht gegeben waren

-

bereits weitere Anträge des Fördersuchenden bewilligt wurden

-

es wesentliche Abrechnungsprobleme in vergangenen Jahren mit dem Träger gab.

Von den 116 bewilligten Vorhaben wurden im Jahr 2009 an 24 Projekte aus folgenden Gründen keine Fördermittel ausgezahlt:
 

-

die Träger hatten eine bessere Projektfinanzierung von anderen Geldgebern erhalten und die Stiftung über den Nichtabruf der Fördermittel informiert

-

die Vorhaben waren abgesagt worden, so dass die Mittel nicht benötigt bzw. aus begründetem Anlass auf das Jahr 2010 übertragen wurden

-

die Verwendungsnachweise lagen zwar zum 31.12.2009 vor, jedoch die Mittelzahlungen erfolgen erst 2010

 

die bewilligten Gelder waren bis zum 31.12.2009 weder abgefordert bzw. abgerechnet noch lagen Informationen über die Durchführung der Maßnahme vor.

Zu den mit Stiftungsmitteln finanzierten und im Berichtszeitraum durchgeführten 92 Vorhaben 2009 kamen noch weitere vier im Jahr 2008 bewilligte Projekte, die erst 2009 stattfanden und das Stiftungsprojekt „Historischer Abriss der Gründungsgeschichte der Stiftung West-Östliche Begegnungen“.

Im Jahr 2009 betrugen die abgerufenen und gezahlten Mittel für die Projektförderung rund 232 T€. Diese Summe umfasst:
 

-

die Förderung von 97 Vorhaben aus dem Jahr 2009

-

Zahlungen für weitere 20 Maßnahmen aus den Jahren 2007 und 2008 nach Abrechnung

-

die Saldierung von Mittelrückzahlungen aufgrund von Projektveränderungen als Ergebnis der Abrechnung von 3 Bewilligungsempfängern

Mit den Ausgaben für die Förderung der o. g. Projekte, für Projektanbahnung und Öffentlichkeitsarbeit kamen im Jahr 2009 insgesamt 252 T€ für satzungsmäßige Leistungen in Erfüllung des Stiftungszwecks zur Auszahlung.

4.   Bewilligte Projekte 2009 in Zahlen

- nach den Programmlinien der Stiftung

Programmlinien der Stiftung

 2009

 2008

 Anzahl

 %

 Anzahl

 %

I.

Erstbegegnungen

23

19,83

9

9,18

II. 

Projektorientierte Begegnungen

52

44,83

51

52,04

III.

Bürgerengagement und Netzwerkbildung

18

15,52

12

12,25

IV.

Sonderprojekte und Kooperationsvorhaben

12

10,34

13

13,26

V.

Sympathieprogramm Partnerland

10

8,62

12

12,25

VI.

SP Gastschuljahr Osteuropa Zentralasien

1

0,86

1

1,02

Gesamt

116

100,00

98

100,00


- nach der Kategorie der Begegnung

Teilnehmende/Bereich der Begegnung

 2009

 2008

 Anzahl

 %

 Anzahl

 %

Schüler und Schulpartnerschaften

26 

22,41

18

18,37

Jugendliche (außerschulisch)

24 

20,69

19

19,39

Kultur

16 

13,80

8

8,16

sonstige Bürgerbegegnungen

50 

43,10

46

46,94

Soziale und humanitäre Hilfe

-- 

-- 

7

7,14

Gesamt

116 

100,00

98

100,00


- nach den beteiligten Partnerländern der Stiftung 

Partnerländer

2009

2008

Anzahl

%

Anzahl

%

Russische Föderation

47

40,52

22

22,45

Belarus

24

20,69

31

31,63

Estland, Lettland, Litauen

11

9,48

3

3,06

Ukraine

17

14,66

16

16,33

Tadschikistan, Kirgistan,Georgien, Armenien, Republik Moldau

10

8,62

15

15,31

Maßnahmen mit mehreren Ländern des Fördergebietes

7

6,03

7

7,14

Inland

--

--

4

4,08

Gesamt

116

100,00

98

100,00


- nach deutschen Bundesländern der Bewilligungsempfänger

Bundesland

 2009

 2008

 2007

Baden Württemberg

4

3

8

Bayern

5

3

4

Berlin

25

20

 35

Bremen

1

1

2

Brandenburg

 6

8

17

Hamburg

3

3

4

Hessen

4

2

3

Mecklenburg Vorpommern

6

3

6

Niedersachsen

8

11

8

NRW

16

9

20

Saarland

2

1

--

Sachsen

14

14

22

Sachsen Anhalt

6

1

5

Rheinland Pfalz

3

--

4

Schleswig H.

5

8

8

Thüringen

8

11

15

Gesamt

116

98

158

5.   Externe Prüfung 

Die Stiftung lässt ihre Jahresrechnung jährlich durch einen externen Wirtschaftsprüfer prüfen. Diese umfasst gemäß § 8 Abs. 2 des Berliner Stiftungsgesetzes (i. d. F. vom 22. Juli 2003) auch die Erhaltung des Stiftungsvermögens und die satzungsgemäße Verwendung des Stiftungskapitals. Die Prüfung 2009 der satzungsgemäßen Verwendung der Stiftungsmittel und der Einhaltung der satzungsgemäßen Erfordernisse, steuerbegünstigt tätig zu werden, hat keine Einwendungen ergeben.

Vorstand und Mitarbeiterinnen der Stiftung 2009:
Dr. Helmut Domke, Wolfgang Dik, Ute Sühring,
Dr. Martin Kummer, Jochen Weitzel,
Monika Tharann und Klaus Schickhaus


*) Elina Sattarova, Solistin der Kindertanzgruppe "Sitoracho" der Deutsch-Tadschikischen Gesellschaft e.V., Berlin"