Deutsch-Russländische Gesellschaft: Ausstellung in Minsk

VON BORIS CANJE

Wie viele andere junge Männer auch musste der Berliner Walter Wichmann 1941 an die Ostfront. Über Warschau, Minsk, Belynitschi, Mogilew, Orscha, Karadschew nach Smolensk und weiter in Richtung Moskau. Was er unterwegs erlebte, was er sah, erschütterte ihn ungeheuer. Seine große Leidenschaft, die Malerei, half ihm, die fürchterlichen Erlebnisse zu verarbeiten. Fast 150 Bilder wurden es. Dazu schrieb er ein Tagebuch.

32 der damals entstandenen Bilder, zumeist Aquarelle, sind derzeit im Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk zu sehen. Sie zeigen die ganze Brutalität des Krieges. Es sind fast nur Ruinen zu sehen, egal ob Wohnhäuser oder Kirchen.

Die Gestalter der Exposition machten sich die Mühe, nach Fotos zu suchen, die die Gebäude vor dem Einmarsch der Deutschen zeigen. Das war, so erzählt es Heinz Wehmeier von der Deutsch-Russländischen Gesellschaft, für einen der bei der Eröffnung anwesenden Veteranen ein besonders bewegender Moment. Er sah zu Tränen gerührt, wie sein Geburtshaus in Belynitschi ausgesehen hat, das er so nie kennengelernte.

Doch wie kam es zu dieser Schau. Initiatorin war Münchenerin Elisabeth Wichmann, die Schwiegertochter von Walter Wichmann. Ihr Mann hatte vor seinem Tod verfügt, dass die Bilder seines Vaters in das Land ihres Entstehens, nach Belarus gebracht werden sollten. Deshalb macht sie sich auf die Suche nach Hilfe. Ein Kunstmäzen riet ihr, sich an die Deutsch-Russländische Gesellschaft zu wenden, die viele Projekte in Weißrussland realisiert hat. In einem der ersten Gespräche mit Heinz Wehmeier Projektleiter des Vereins, wurde die Ideen zu einer Ausstellung geboren. Damit stieß man bei der Belarussischen Botschaft und im Museum auf offene Ohren. Ein zweisprachiger Katalog wurde erarbeitet und die beide Initiatoren waren ein Woche vor Ort, um letzte Absprachen zu treffen und die Ausstellung zu eröffnen.

In ihrer kurzen Ansprache bei der Eröffnung, führte Elisabeth Wichmann unter anderem aus, dass es ihrem Schwiegervater vor allem die Smolensker Kathedrale angetan hatte, die er mehrfach besuchte. Um so entsetzter war er, dass bei Rückzug die Stadt lichterloh brannte. In seinem Tagebuch schreibt er unter anderem: „Auf dem Hügel oberhalb des Flusstales und hinter der breiten, kilometerlangen Stadtmauer war´s ein wilder funkensprühender Schmelztiegel, über den sích Rauch und Qualm weißgrau und schwarz gegen den dunkelblauen Abendhimmel schob und wälzte.“ Und die Kathedrale war nur noch eine Ruine.

Elisabeth Wichmnann erklärte: „Dass ich heute, mehr als 75 Jahre nach Kriegsende hier vor ihnen stehen kann, erfüllt mich mit Schmerz, aber auch mit Freude. Schmerz, weil mir als Teil der Nachkriegsgeneration besonders an diesem Ort der ganze Schrecken des Krieges, der von meinem Vaterland ausging, noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt wurde. Aber auch Freude, einige Bilder wieder in das Land ihres Entstehens zurückbringen zu können.“

Walter Wichmann wurde 1916 in Berlin geboren. Seine ersten Malversuchen unternahm er in der Speisekammer der Wohnung seiner Eltern. Später erlernte er den Beruf eines Buchdruckers, nahm Unterricht bei Otto Nagel und besuchte die Berliner Kunstschule.Nach dem Krieg war er Dozent an der Berliner Hochschule für Bildende Künste. 1960 entschloss er sich, in den Westen, nach München umzusiedeln. Dort hatte er mit seinen Bilder wenig Erfolg und musste sich mit Gebrauchsgrafiken und Entwürfen für Leuchtreklamen über Wasser halten. Aber es entstanden auch Linolschnitte, Pastelle und Ölbilder, die sich schlecht verkauften. Dies und die schwer auf ihm lastenden Kriegserlebnisse führte vermutlich dazu, dass er sich 1970 das Leben nahm.

Fotos: Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk

Elisabeth Wichmann und Heinz Wehmeier bei der Ausstellungeröffnung 

Junge Weißrussen, aber auch Veteranen wollten die Bilder sehen

Interkulturelle Woche in Wittenberg 

VON BORIS CANJE

 Aus einem Duo, das ein Konzert der Deutsch-Russländischen Gesellschaft mit Gitarre und Domra (ein mit der Balalaika verwandtes Instrument) gestalten sollte, wurde wegen eines Unfalls am Veranstaltungstag zu einem Soloauftritt. Doch der in Donezk (Ukraine) geborene Gitarrist Yevgen Shtepa gestaltete das Programm um und ließ es trotzdem zu einem musikalischen Höhepunkt werden. Das ist umso so höher einzuschätzen, da die Domraspielerin Lidia Sacharowa, seine Frau ist.

Vor allem begeisterte der Gitarrist, der an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ebenso lehrt wie an einigen Musikschulen, mit seiner Virtuosität und musikalischen Vielfalt. Diese zeigte er schon im ersten Stück, der „Elegie“ (Klagelied) des österreichischen Komponisten und Gitarristen Johann Kaspar Mertz. Dabei arbeitete Yevgen Shetpa mit dem ganzen Körper, war ständig in Bewegung. Manchmal schloss er seine Augen und trotzdem fand er den richtigen Ton. Dann wieder verfolgten sein Kopf die Wanderung seiner Finger auf dem Gitarrensteg. Die Konzentration war immer sichtbar, nur

Yevgen Shtepa

manchmal huschte ein kleines, kurzes Lächeln über sein Gesicht. Das war übrigens bei allen Musikstücken des einstündigen Konzertes zu beobachten. Und dabei fand er während des Spiels auch noch die Zeit, die Saiten bei Bedarf etwas nach zustimmen. Ähnlich war es bei den fünf Sätzen aus der „Cavantina“ (instrumentales Musikstück) des polnisch-französischen Komponisten Alexandre Tansman oder bei „Un tiempo fue Italica famosa“ des Spaniers Joaquin Rodrigo. „Ein klassisches Gitarrenkonzert ohne spanische Musik geht nicht“, kündigte er dieses Stück an.

Sein erster Gitarrenlehrer sei der Ukrainer Oleg Skirda gewesen, erfuhren die Besucher. Und dieser komponierte auch und frönt dieser Leidenschaft bis heute. Von ihm bot er zunächst „In den Herbst hinein“ an, ein Stück, in dem sich Leichtigkeit und Nachdenklichkeit abwechselten. Und als erste Zugabe dann ein Wiegenlied.

Yevgen Shtepa bewies, dass er nicht nur sein Instrument perfekt beherrscht, sondern auch komponieren kann. „Why not“ hieß eine Komposition. Darin, verarbeitet er das Ergebnis seiner Überlegungen, wie ein moderner Gitarrist einen Blues spielen würde.

Und zum Abschluss überraschte er das Publikum im gut gefüllten Malsaal der Cranach-Stiftung mit einer Welturaufführung. Autobiografisches habe er in „Procrastination“ (Zögern, Zaudern) verarbeitet und zeigte damit auch, dass der Blues für ihn eine große Rolle spielt.

Es gab für den Künstler bei seinem ersten Auftritt in der Lutherstadt viel Beifall und natürlich Genesungswünsche an seine Frau. Und Yevgen Shtepa versprach, bei nächster Gelegenheit wieder zu kommen, seine Frau mitzubringen und dann das geplant Repertoire zu spielen. Auch diese Ankündigung oder besser Versprechen wurde begeistert aufgenommen.

Foto: Boris Canje

Monika Tharann verabschiedet sich als langjährige Geschäftsführerin

21 Jahre führte Monika Tharann mit großem Engagement und Herzblut die Geschäfte der Stiftung West-Östliche Begegnungen. Jetzt beendet Frau Tharann ihre Tätigkeit und übergibt die Geschäftsführung an Anna Kaiser. 

Monika Tharann und Anna Kaiser

Dr. Martin Kummer zu Besuch in Kaluga

Ende November besuchte Dr. Kummer, Landesvorsitzender der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft Thüringen e.V. und Vorstandsmitglied der Stiftung West-Östliche Begegnungen die Internationale Schule in Kaluga. Den Bericht dazu finden Sie hier.